Porträtkonzert: Cornelius Schwehr
Donnerstag,
1. Juli 2004, 20:00 Freitag,
10. Dezember 2004, 20:00 Aria
aber die Schönheit des Gitters für Kammerensemble (1992) ist als Auftragswerk für die Wittener Tage für Neue Kammermusik des folgenden Jahres geschrieben worden. in deren Mittelpunkt Film/Musik-Projekte standen, und wurde gemeinsam mit dem Regisseur Didi Danquart konzipiert, mit dem Schwehr bereits öfter zusammengearbeitet hatte. Um zu vermeiden, nur gegenseitige Vorgaben zu erfüllen, entstand bei diesem Projekt die Musik, "bevor nur ein einziges Bild aufgenommen war. Der Film entstand, ohne daß dem Filmemacher auch nur das Geringste von der Musik hätte zu Ohren kommen können. Dennoch: das Ergebnis ist kein blind und taub Zusammengesetztes. Wir haben uns, im Vorfeld unserer Arbeit, in der Absicht besprochen, in den Inhalten angenähert, in der Struktur zunächst auf eine bestimmte Dauer von 15 Minuten geeinigt und dann unsere Arbeit verschränkt. [...] Der Filmemacher und der Komponist finden also ein Netz vor, welches, bevor ihre Arbeit eigentlich begonnen hat, schon über sie gezogen ist." Gemeinsam ist beiden Verläufen somit lediglich ein Zeitplan, was im Konkreten auch bedeutet, daß die Bilder des Films (Gesichter, die als Portraitphotos neueren Aufnahmen, die abgefllmt wurden, gegenüber gestellt werden) und die Musik einander nie direkt "kommentieren" oder illustrieren, sondern ihre e eigene Deutung derselben Problemstellung geben: "Der Filmemacher behauptet (in seinem Film), daß gesellschaftliche Veränderungen direkt in den Gesichtern der betroffenen oder handelnden Personen abzulesen sind. Der Komponist behauptet (in seiner Musik), daß Antipoden (sklavisch auf einander bezogen) nur existent sind in Form des (jeweils) Andersseins, letztlich identisch - nicht mehr voneinander zu unterscheiden - sind. […] Es schien uns sinnvoll, unsere bei den Behauptungen zu überblenden." Logischerweise ist die unabhängig entstandene, d.h. autonomen Gesetzen folgende Musik auch losgelöst vom Film "gültig" und für sich aufführbar. Bereits das erste Hören läßt zwei deutlich kontrastierende Teile (Antipoden?) erkennen: Anfänglich werden Liegeklänge oder -töne - meist leise, nur wenig artikuliert vorgestellt - von sehr kurzen Impulsakzenten unterbrochen, bevor die Liegeklänge durch Gegenverläufe belebt werden und sich ihnen zunehmend klein gliedrige, "gerasterte" Repetitionselemente hinzugesellen oder mit ihnen abwechseln. Ab der zeitlichen Mitte des Stücks etabliert sich eine Gegenwelt, die von quasi "farbigen Schatten" konstituiert wird und in der die Geräusche immer etwas präsenter sein sollen als die erkennbaren Tonhöhen - Spielen mit dem Bogenholz oder auf dem Steg bei den Streichern, beim Klavier im Innern des Instruments (an der Saitenumwicklung oder den Stimmstiften) erzeugte Klänge und auch hier das Treten und Loslassen der Pedale, bei den Bläsern Klappengeräusche und fast nur aus Luft bestehende Töne amalgamieren sich zu einer schwebend gehaltenen Zuständlichkeit, die unter ihrer Oberfläche bewegt erscheint.
Aria
Wie
bei Bogen und Leier für Flöte, Oboe und Klarinette
((Pastorale
ist eine Pastorale) ist keine Pastorale)
|